Der TVR Chimaera ist das erfolgreichste Modell des britischen Sportwagenherstellers, aber er versucht immer noch, seine Insassen bei jeder Gelegenheit zu töten.
Bei einigen Erfindern im Vereinigten Königreich gibt es eine bestimmte Denkweise: Wenn man einen Schuppen und genügend Zeit hat, kann man alles erschaffen. Dieses Ethos führte dazu, daß in den letzten 100 Jahren eine Reihe von Autoherstellern aus dem Boden schossen, wie Bowler Offroad, Gilbern und AC Cars, die das großartige Sportcoupé 3000 ME entwickelten. Zu dieser Liste gehört auch TVR, ein Unternehmen, das trotz mehrerer Besitzerwechsel ein großartiges Auto nach dem anderen geliefert hat. Fahrzeuge, die sich von ihren wenigen Konkurrenten abheben, weil sie wilder, schneller und ungewöhnlicher sind. Die 2020er Jahre werden für TVR ein Neubeginn sein, da sich das Unternehmen neu aufstellt und sein erstes Auto unter neuem Eigentümer anbietet. So scheint es jetzt sinnvoll, auf die vergangenen Modelle zurückzublicken.
Wie eine bizarre Menagerie teerhungriger Ungeheuer hat TVR eine reiche Auswahl an Fahrzeugen zu bieten, aber der Chimaera, der erfolgreichste Sportwagen des Unternehmens, beeindruckt am meisten.
Hier sind 10 Fakten über den TVR Chimaera, die man kennen sollte – eine einfache, bullige, benzinbetriebene Maschine, die einen bleibenden Eindruck hinterläßt.
10 Ein Auto namens TreVoR
Nein, das ist nicht Trevor Wilkinson. Das Foto zeigt V.J. (Vic) Downie mit seinem Grantura (wahrscheinlich im Jahre 1963 aufgenommen, denn in diesem Jahr trat er mit seinem Grantura in Snetterton, Crystal Palace und in Brands Hatch an).
Mit dem Kauf einer alten Stellmacherwerkstatt in Blackpool machte sich Trevor Wilkinson auf den Weg, einen der angesehensten britischen Hersteller von hochwertigen Sportwagen aufzubauen.
Da nicht viele Leute, wenn überhaupt, zugeben würden, daß sie einen britischen Trevor fahren, war es viel sinnvoller, den Namen auf den weitaus autoähnlicheren TVR zu verkürzen, eine Marke, die zum Synonym für Leistung geworden ist.
9 Der glorreiche Griffith
Unter der Leitung des neuen Eigentümers Peter Wheeler kam der TVR Griffith 1991 auf den Markt und verfügte über eine leichte Glasfaserkarosserie, unter der eine Auswahl an V8-Motoren mit unterschiedlichem Hubraum angeboten wurde.
Wenn das Auto mit dem 5,0-Liter-Motor ausgestattet ist, hat der Fahrer die Kontrolle über 340 PS. Das Auto beschleunigt in 4,2 Sekunden auf 60 mph und erreicht nach etwas mehr als 14 Sekunden die 100 mph-Marke.
8 Der TVR Chimaera
Der Chimaera war mechanisch identisch mit dem Griffith, wurde aber in viel größeren Stückzahlen gebaut und war für Touren gedacht. Er hatte ein längeres Fahrgestell mit weicherer Federung und ein viel besseres Platzangebot im Innenraum.
Mit nur 5 Zoll Bodenfreiheit war der Chimaera niedrig, geschmeidig und sehr schnell. Er bot einen unverfälschten Nervenkitzel in einem ausgeprägten Muscle-Car-Paket und widersetzte sich dem Trend ein techniküberladener Sportwagen zu sein, indem er sich auf das Wesentliche beschränkte.
7 Leistungsstarke Motoren
Die Chimaera-Motoren basierten auf dem bekannten und hoch angesehenen Rover V8, wurden jedoch stark überarbeitet und lieferten neben einem größeren Hubraum auch deutlich mehr Leistung und Drehmoment.
Der 5,0-Liter-Motor leistet stramme 340 PS und ein Drehmoment von 320 lb-ft. Damit erreicht der wendige Sportwagen die 100 km/h in erstaunlichen 4,1 Sekunden und stürmt anschließend auf ballistische 290 km/h zu.
6 Aufhängung und Bremse
Das Chimaera-Fahrwerk war nicht so präzise und scharf wie das des Griffith, dafür war es bei den Fahrern weitaus beliebter und verlieh dem Wagen die doppelte Persönlichkeit eines kompetenten Rennwagens, sowie eines komfortablen Reisewagens.
Mit einer Leistung von 240 PS bis hin zu rauchenden 340 PS mußten die Bremsen des Chimaera servounterstützt und vorne und hinten mit unabhängigen Systemen ausgestattet sein.
5 Einzigartige Styling-Akzente
Ob die vier individuellen Rückleuchten oder die handgestickte Logoeinlage in den weichen Lederkopfstützen – der Chimaera ist voll von beeindruckenden kleinen Details, die das TVR-Erlebnis noch weiter steigern.
Während die Käufer bei der endgültigen Spezifikation des Fahrzeugs jede beliebige Innenraumfarbe und jedes beliebige Material wählen konnten, blieb die Auswahl der Stereoanlage einfach, da das Hören von Musik aufgrund der Motor-, Wind- und Reifengeräusche fast unmöglich war.
4 Knappe Sonderausstattung
Die Tatsache, daß der Chimaera weder mit Technik noch mit luxuriösem Spielzeug überladen war, unterstrich seinen Ruf als Hardcore-Muscle-Car und selbst die Servolenkung war für diejenigen, die ihn als Neuwagen ab Werk kauften, eine optionale Ausgabe.
Darüber hinaus konnte nur eine sehr begrenzte Anzahl von Extras für den Chimaera ausgewählt und ausgestattet werden, wie z. B. beheizbare Sitze, ein im Kofferraum montierter CD-Wechsler, Plüschteppiche aus Wolle, eine Klimaanlage und trendige Goldplaketten, die dem Wagen eine individuelle Note verleihen sollten.
3 Ein totales Biest

Mit einer schweren Kupplung und einer Drosselklappe, die eher einem An/Aus-Schalter gleicht, knurrt und schreit der Chimaera und macht das Vorankommen bei niedrigen Geschwindigkeiten zu einem ermüdenden Unterfangen. Dies ist kein Monster, das gerne im Verkehr oder auf engen Straßen in der Stadt unterwegs ist.
Wie ein durchgeknalltes Wildpferd wechselt der Chimaera fröhlich die Seiten, wenn zu viel Gas gegeben wird. Er verwandelt sich von einem röhrenden Cruiser in ein knurrendes Monster und versucht, seinen Kopf in der nächsten Hecke oder im nächsten Graben zu vergraben, einfach aus reiner Bosheit.
2 Gerüchte über die Zuverlässigkeit
Es war nicht ungewöhnlich, daß Kleberückstände im Innenraum auftraten, daß elektrische Systeme nicht richtig funktionierten oder dass frisch fertiggestellte Autos nach der Auslieferung an die Händler nicht ansprangen.
Trotz all dieser Horrorgeschichten beschloß ein Besitzer, mit seinem Chimaera 20.000 Meilen zwischen den beiden am weitesten voneinander entfernten Bars der Welt zu fahren und bewies damit, dass man Gerüchten und nagativen Berichten nicht immer Glauben schenken darf.
1 Ernsthafter Kultcharakter
Der TVR Chimaera könnte von Kennern als Großbritanniens hausgemachtes Mittel gegen den Mangel an Muscle Cars bezeichnet werden. Auf einer Insel, auf der die Kraftstoff- und KFZ-Steuern notorisch hoch sind, ist der TVR Chimaera ein aufrechter Mittelfinger an genau das Establishment, das ihn zähmen will.
Doch trotz seines schlechten Rufs wegen der mangelhaften Verarbeitungsqualität und des drohenden Krankenhausaufenthalts, der durch zu eifrigen Umgang mit dem Gaspedal ausgelöst werden kann, ist es eine sympathische Maschine, die eine Vielzahl von begeisterten Fans gefunden hat.
veröffentlicht am 2. November 2021 auf hotcar.com
Text: RJ Waldron / Bilder: hotcar.com, autocar.co.uk





















